Die verkürzte Solarspitze — warum die Preisdämpfung der PV unter den Tisch fällt
Foto: Vertikale Ost-West-Module (Agri-PV Aasen, Donaueschingen), Tobi Kellner / Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0
Die verkürzte Solarspitze
Kaum ein Wort hat in der Energiedebatte zuletzt so eine Karriere gemacht wie die „Solarspitze". Gemeint ist der Moment, in dem die Photovoltaik mittags so viel Strom liefert, dass die Preise an der Börse ins Bodenlose fallen. In der öffentlichen Erzählung klingt das wie ein Problem: zu viel Solar, zu teuer, abregeln. Diese Erzählung ist verkürzt — und sie verschweigt drei Dinge.
Erstens: Solar senkt den Preis
Die Mittagsspitze ist kein Defekt, sie ist die preisdämpfende Wirkung der Photovoltaik in Reinform. Wenn die Sonne scheint, drückt der Solarstrom die teuren Kraftwerke aus dem Markt; der Börsenpreis sinkt, an manchen Tagen bis unter null. Das Fraunhofer ISE schätzt, dass der Börsenpreis ohne die Photovoltaik spürbar höher läge. Was als Problem erzählt wird, ist in Wahrheit der Mechanismus, der den Strom für alle billiger macht.
Zweitens: Die Anlagenbetreiber subventionieren kaum noch
Die zweite Auslassung betrifft das Geld. Wer heute eine neue Solaranlage aufs Dach setzt, bekommt für den eingespeisten Strom eine Vergütung von rund 7,8 Cent (bei kleinen Anlagen) bis hinunter zu knapp 7 Cent. Dem steht der Marktwert Solar gegenüber — der Durchschnittspreis, den Solarstrom an der Börse erzielt. Der lag 2025 bei nur noch 4,5 Cent je Kilowattstunde. Die echte Förderung pro eingespeister Kilowattstunde ist damit auf wenige Cent geschrumpft; im Winter, wenn der Marktwert über der Vergütung liegt, ist sie faktisch null. Wer heute Module aufs Dach schraubt, tut das fast ohne Renditeversprechen — eine private Investition in die gemeinsame Versorgung.
Genau hier wirken wir
Dieser niedrige Marktwert ist kein Naturgesetz. Er entsteht, weil zur Mittagsspitze zu wenige Abnehmer da sind. Genau dort setzt unser Vorschlag an: Verschiebt man flexible Last — das öffentliche Laden von Elektroautos, große Verbraucher — in die Solar-Überschussstunden, steigt die Nachfrage genau dann, wenn der Strom im Überfluss da ist. Der Marktwert der Photovoltaik steigt, die Anlage der Privatleute wird mehr wert. Und der Strom, der mittags günstig „getankt" und abends genutzt wird, entlastet die teure Abendspitze, in der heute die Gaskraftwerke den Preis setzen. Dieselbe Kilowattstunde, besser getimt: mehr wert für die Erzeuger, günstiger für alle.
Drittens: Solar ist mehr als Mittag
Die dritte Auslassung ist die Uhrzeit selbst. „Solarspitze" klingt nach Sommer und Mittag — doch die Photovoltaik trägt das ganze Jahr. 2025 lieferte sie rund 87 Terawattstunden, fast 14 Prozent des öffentlichen Stroms, erstmals mehr als die Braunkohle. Über Ost-West-Ausrichtung liefert sie zunehmend auch morgens und abends.
Womit wir wieder am Anfang sind: Das eigentliche Problem ist nicht, dass mittags zu viel Solarstrom da ist. Das eigentliche Problem ist, dass wir ihn nicht nutzen.
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